Felge und Reifen: Welche Breite passt, was ET, Lochkreis und Eintragung bedeuten
Jede Reifenbreite verträgt nur einen bestimmten Felgenbereich. Die Tabelle zeigt ihn von 165 bis 275 mm, der Rechner prüft Ihre Kombination, die Abschnitte danach erklären ET, Lochkreis und Eintragung.
Ein Leser aus Reutlingen schrieb uns im Frühjahr, er habe für seinen Seat Leon ST (5F) vier schöne Alufelgen im Internet gekauft: 7,5 x 17, ET 45, Lochkreis 5 x 112. Alles passte, sogar die Reifen. Und trotzdem flatterte das Lenkrad ab 120 km/h, selbst nach zweimaligem Wuchten. Ich habe mir die Felgen angesehen. Die Mittenbohrung maß 72,6 Millimeter, die Nabe des Seat hat 57,1. Die Räder hingen nur an den Schrauben und saßen nirgends zentriert auf der Nabe. Ein Satz Zentrierringe für wenige Euro beendete das Zittern.
Die vier Zahlen, auf die es bei einer Felge ankommt, sind Breite, Einpresstiefe, Lochkreis und Mittenbohrung. Dazu kommt die Frage, welcher Reifen darauf gehört und wer die Kombination zulassen muss. Dieser Beitrag ordnet das der Reihe nach. Mitten im Text steht ein Rechner, mit dem Sie Ihre Kombination gegen die zulässigen Bereiche prüfen.
Reifenbreite und Felgenbreite: die ETRTO-Bereiche
Für jede Reifenbreite nennt die ETRTO, die europäische Normungsorganisation für Reifen und Felgen, einen zulässigen Bereich an Felgenbreiten in Zoll. Dazu gibt es eine Messfelge als Idealwert. Ein 205er Reifen läuft auf Felgen von 5,5 bis 7,5 Zoll, ideal sind 6,5. Außerhalb dieses Bereichs sitzt der Wulst schlecht, die Lenkung wird schwammig, und die Flanken nehmen Schaden.
Die Zahlen lassen sich als Faustregel merken: Pro halbem Zoll Felgenbreite wächst oder schrumpft die Reifenbreite um etwa fünf Millimeter. Auf einer zu schmalen Felge steht der Reifen bauchig, er rollt in Kurven über die Schulter und reagiert verzögert. Auf einer zu breiten Felge wird die Flanke gestreckt, die Felge steht ungeschützt am Bordstein, und der Wulst sitzt unter Dauerbelastung.
| Reifenbreite | Felge min. | Messfelge | Felge max. |
|---|---|---|---|
| 165 mm | 4,5 Zoll | 5,0 Zoll | 6,0 Zoll |
| 175 mm | 5,0 Zoll | 5,0 Zoll | 6,0 Zoll |
| 185 mm | 5,0 Zoll | 5,5 Zoll | 6,5 Zoll |
| 195 mm | 5,5 Zoll | 6,0 Zoll | 7,0 Zoll |
| 205 mm | 5,5 Zoll | 6,5 Zoll | 7,5 Zoll |
| 215 mm | 6,0 Zoll | 7,0 Zoll | 8,0 Zoll |
| 225 mm | 6,0 Zoll | 7,0 Zoll | 8,5 Zoll |
| 235 mm | 6,5 Zoll | 8,0 Zoll | 9,0 Zoll |
| 245 mm | 7,0 Zoll | 8,0 Zoll | 9,0 Zoll |
| 255 mm | 7,0 Zoll | 8,5 Zoll | 9,5 Zoll |
| 265 mm | 7,5 Zoll | 9,0 Zoll | 10,0 Zoll |
| 275 mm | 7,5 Zoll | 9,0 Zoll | 10,5 Zoll |
Die Werte gelten für Querschnitte von 55 bis 65. Niedrigere Serien wie 50, 45 oder 40 verschieben den Bereich ungefähr um einen halben Zoll nach oben, die genauen Werte stehen in der ETRTO-Zuordnung des Reifenherstellers. Die Tabelle ist eine Orientierung. Verbindlich bleiben die Freigabe des Herstellers und die Eintragungen in Ihren Fahrzeugpapieren.
Felge und Reifen: passt das?
Jede Reifenbreite hat einen zulässigen Bereich an Felgenbreiten, festgelegt von der ETRTO. Der Rechner prüft Ihre Kombination und nennt die Messfelge, auf der der Reifen seine Sollmaße erreicht.
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Bereiche nach ETRTO-Standards-Manual für Radialreifen. Maßgeblich bleibt die Freigabe des Fahrzeugherstellers oder das Teilegutachten der Felge (§ 19 StVZO).
Der Rechner nimmt Felgenbreite in Zoll und Reifenbreite in Millimetern und zeigt, ob die Kombination im zulässigen Bereich liegt. Ein Beispiel aus dem Alltag: 205/55 R16 auf einer 6,5-Zoll-Felge ist der Normalfall bei Kompaktwagen. Auf 7,5 Zoll liegt derselbe Reifen am oberen Rand, das macht die Lenkung etwas direkter, aber den Reifen empfindlicher gegen Bordsteine. Auf 8,0 Zoll liegt er außerhalb der Freigabe. Weitere Berechnungen finden Sie unter alle Rechner.
Die Felgenbezeichnung lesen
Auf der Innenseite oder an der Speiche jeder Felge sind ihre Maße eingeprägt. Eine typische Angabe lautet 7J x 16 H2 ET45, ergänzt durch den Lochkreis und die Mittenbohrung in den Papieren. Wie Sie die Bezeichnung des Reifens dagegen entschlüsseln, erklärt der Beitrag Reifengröße lesen.
- 7J: Felgenbreite 7 Zoll, das J steht für die Kontur des Felgenhorns.
- x 16: Felgendurchmesser 16 Zoll, passend zum R16 im Reifen.
- H2: Hump auf beiden Seiten, eine kleine Erhöhung im Felgenbett, die den Wulst bei Druckverlust hält.
- ET45: Einpresstiefe 45 Millimeter.
- 5 x 112: fünf Löcher auf einem Kreis von 112 Millimetern Durchmesser.
- d 57,1: Mittenbohrung 57,1 Millimeter (beim VW Golf üblich).
Ein Zoll sind 25,4 Millimeter. Eine 7-Zoll-Felge ist also rund 178 Millimeter breit, das hilft beim Vergleich mit den Millimeterangaben der Reifen.
Einpresstiefe: wo das Rad im Radhaus sitzt
Die Einpresstiefe, kurz ET, ist der Abstand zwischen der Anlagefläche an der Nabe und der Mittellinie der Felge, in Millimetern. Ein kleiner Wert schiebt das Rad nach außen, ein großer nach innen. Bei Kompaktwagen liegen die Serienwerte meist zwischen ET 35 und ET 50. Wer von der Serienfelge abweicht, verändert die Spurweite und die Lage des Rades im Radhaus. Ist die ET zu klein, schleift der Reifen am Kotflügel. Ist sie zu groß, rückt das Rad nach innen und stößt an Federbein oder Bremssattel.
Ein Rechenbeispiel macht die Wirkung greifbar. Ihre Serienfelge ist 7 Zoll breit mit ET 45. Die neue misst 8 Zoll mit ET 35. Die breitere Felge wächst je zur Hälfte nach innen und außen, also um 12,7 Millimeter auf jeder Seite. Die kleinere ET schiebt das ganze Rad zusätzlich 10 Millimeter nach außen. Die Außenkante rückt damit um 22,7 Millimeter nach außen, die Innenkante nur um 2,7 Millimeter nach innen. Zwei Zentimeter mehr an der Außenseite überragen schnell den Kotflügel, und die Radabdeckung muss die Lauffläche des Reifens überdecken, so verlangt es § 36a StVZO.
Ein Rad hat vier Zahlen, die passen müssen: Breite, ET, Lochkreis, Mittenbohrung. Stimmen drei davon, ist es trotzdem das falsche Rad.
Lochkreis, Mittenbohrung und Zentrierring
Der Lochkreis beschreibt Zahl und Anordnung der Radbefestigung. Ein VW Golf trägt 5 x 112, ein Toyota Corolla 5 x 114,3. Beide haben fünf Löcher, aber der Kreisdurchmesser unterscheidet sich um 2,3 Millimeter, und das genügt, dass die Schrauben schief greifen. Beim Lochkreis gibt es keinen Spielraum: Stimmt er nicht, passt die Felge nicht, auch wenn sie sich scheinbar aufsetzen lässt.
Die Mittenbohrung ist das Loch in der Felgenmitte, in das die Nabe greift. Ist sie größer als die Nabe, bleibt ein Spalt, und das Rad hängt auf den Schrauben statt zentriert zu sitzen. Bei dem Seat aus dem Anfang waren es 72,6 minus 57,1 gleich 15,5 Millimeter Spalt. Ein Zentrierring aus Aluminium oder Kunststoff füllt ihn aus, und er kostet wenige Euro. Die Mittenbohrung darf dagegen nie kleiner sein als die Nabe, sonst lässt sich die Felge gar nicht aufsetzen.
Auch die Schrauben gehören zur Felge. Kegelbund, Kugelbund und Flachbund sind verschiedene Auflagen, und die Radschrauben müssen die richtige Form haben. Wie Sie sie anziehen und nachziehen, steht in der Anleitung Reifen selbst wechseln.
Größere Felge, gleicher Abrollumfang
Wer auf eine größere Felge wechselt, sucht einen Reifen mit niedrigerem Querschnitt, so dass der Außendurchmesser gleich bleibt. Ein Zahlenbeispiel: 205/55 R16 hat einen Durchmesser von 631,9 Millimetern, 225/45 R17 kommt auf 634,3. Der Abrollumfang weicht damit um 0,4 Prozent ab, das ist unproblematisch. Weicht er stärker ab, zeigt der Tacho falsch, und ABS und ESP rechnen mit falschen Raddrehzahlen. Der Reifen wird dabei breiter, und die Felge muss ihn tragen: 225 mm verlangen laut Tabelle mindestens 6,0 und höchstens 8,5 Zoll, und bei Querschnitt 45 gilt der um einen halben Zoll verschobene Bereich.
Umgekehrt fahren viele Autofahrer im Winter schmalere Reifen auf kleineren Felgen, etwa 195/65 R15 statt 205/55 R16. Ein schmalerer Reifen drückt mit höherem Flächendruck auf die Schneedecke, schneidet sich leichter hindurch und findet schneller Kontakt zur Fahrbahn. Die höhere Flanke einer 15-Zoll-Felge schont außerdem Felge und Reifen bei Schlaglöchern. Auch diese Größe muss in den Papieren stehen.
Alufelge oder Stahlfelge
Stahlfelgen sind schwerer, günstiger und robust. Eine Beule lässt sich oft ausbeulen, ein Riss kaum. Alufelgen sind leichter, bei gleicher Größe typischerweise ein bis zwei Kilogramm je Rad, steifer und meist ansprechender im Aussehen, aber bei einem harten Schlag brechen sie eher, als dass sie sich verformen. Streusalz greift den Lack an, und unter einem beschädigten Lack korrodiert Aluminium. Deshalb sitzen viele Winterräder auf Stahlfelgen.
Ein zweiter Felgensatz lohnt sich, weil Sie bei jedem Wechsel Montage, Wuchten und neue Ventile sparen, grob 70 bis 140 Euro für vier Räder, wie unter Reifen montieren und auswuchten aufgelistet. Bei einem Auto mit Drucksensoren kommen die Sensoren in jedes Rad. Mehr dazu unter RDKS.
Eintragung: ABE, Teilegutachten, Einzelabnahme
Weicht die Rad-Reifen-Kombination von den Papieren ab, muss sie zugelassen sein. In der Zulassungsbescheinigung Teil I, dem früheren Fahrzeugschein, stehen unter den Feldern 15.1 und 15.2 die für Ihr Auto erlaubten Reifengrößen. Alles andere braucht einen Nachweis, und den stellt eine Prüfstelle aus, nicht die Werkstatt um die Ecke. Nach § 19 Abs. 2 StVZO erlischt die Betriebserlaubnis eines Fahrzeugs, wenn Änderungen eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer erwarten lassen, und Abs. 3 regelt, unter welchen Voraussetzungen sie trotzdem wirksam bleibt.
| Weg | Was Sie brauchen | Wer trägt ein |
|---|---|---|
| ABE für das Rad | ABE mit Zuordnung zu Ihrem Fahrzeug, alle Auflagen erfüllt | in der Regel keine Eintragung nötig |
| Teilegutachten (§ 19 Abs. 3 StVZO) | Gutachten, dazu Abnahme an Ihrem Fahrzeug | Prüfstelle trägt in die Zulassungsbescheinigung ein |
| Einzelabnahme (§ 21 StVZO) | Gutachten für Sonderfälle ohne ABE | Prüfstelle und Zulassungsbehörde |
Beim Reifen gilt außerdem: Der Lastindex darf nicht unter dem Wert der Papiere liegen, und der Geschwindigkeitsindex darf die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs nicht unterschreiten (für Winterreifen gilt eine Ausnahme mit Hinweisaufkleber im Sichtfeld des Fahrers). Wie Sie die Anforderung berechnen, erklärt der Beitrag zu Lastindex und Tragfähigkeit. Auch die Felge hat eine zulässige Radlast, die im Gutachten steht.
Wer Größe, Saison und Alter erst einmal sortieren will, bevor er Felgen kauft, findet den Überblick im Leitfaden zu Reifen.
Häufige Fragen
Welche Felgenbreite passt zu 205/55 R16?
Nach ETRTO 5,5 bis 7,5 Zoll, ideal sind 6,5 Zoll. Die Eintragungen in Ihrer Zulassungsbescheinigung Teil I bleiben maßgeblich, andere Kombinationen brauchen unter Umständen eine Abnahme.
Darf ich breitere Reifen auf meine Serienfelge ziehen?
Nur innerhalb des ETRTO-Bereichs und nur, wenn die Reifengröße in Ihren Papieren steht oder per Gutachten eingetragen wird. Ein breiterer Reifen auf derselben Felge gibt weicher nach und verändert Lenkgefühl und Verschleiß. Ohne Abnahme erlischt die Betriebserlaubnis.
Brauche ich einen Zentrierring?
Dann, wenn die Mittenbohrung der Felge größer ist als die Nabe Ihres Autos. Die Ringe kosten wenige Euro. Ohne sie sitzt das Rad nur auf den Schrauben und flattert häufig ab etwa 100 bis 120 km/h.
Was bedeutet ET 45?
Die Einpresstiefe von 45 Millimetern: Die Anlagefläche an der Nabe liegt 45 Millimeter weiter außen als die Felgenmitte, das Rad sitzt dadurch tiefer im Radhaus. Je kleiner die Zahl, desto weiter außen sitzt das Rad.
Muss ich neue Felgen eintragen lassen?
Das hängt von den Unterlagen ab. Liegt eine ABE für Ihr Fahrzeug vor und sind alle Auflagen erfüllt, entfällt die Eintragung meist. Bei einem Teilegutachten nimmt die Prüfstelle das Rad ab und trägt es in die Zulassungsbescheinigung ein.