Rundlauf

Welche Reifen brauche ich?

Drei Fragen, drei Minuten, eine klare Antwort: die richtige Größe, die passende Saison und das Segment, das zu Ihrem Fahren passt.

Annika Berger, Dipl.-Ing., Kfz-Sachverständige. Stand 29.10.2026.

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Reifenberater: Größe, Alltag und Anspruch eingeben, Saison, Segment und passende Modelle ablesen.

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Im Januar stand in einer Werkstatt in Böblingen ein Mann mit vier neuen Reifen im Kofferraum. Er hatte Winterreifen in 205/55 R16 bestellt, passend zu seinem Golf, so stand es auf den alten Reifen im Keller. Der Golf rollte aber ab Werk auf 17 Zoll, 225/45 R17. Die Reifen im Keller gehörten zum Vorgänger. Das Ergebnis: 340 Euro vorgestreckt, Rücksendung auf eigene Kosten und drei Wochen im Februar ohne passende Winterreifen.

Dumm war der Mann nicht. Er hat die Reihenfolge verdreht, erst den Preis verglichen, dann die Saison gewählt und die Größe zuletzt geprüft. Richtig herum sind es drei Schritte. Die Größe kommt zuerst, weil sie festlegt, was überhaupt auf Ihr Auto darf. Die Saison kommt als Zweites, weil sie die Auswahl auf etwa ein Drittel schrumpfen lässt. Das Segment kommt zuletzt, denn erst jetzt ergibt ein Preisvergleich Sinn.

Der Berater direkt unter diesem Absatz geht die drei Schritte mit Ihnen durch. Die Abschnitte danach erklären, was hinter jeder Frage steckt. Sie sind auch ohne den Berater vollständig, mit Beispiel, Tabellen und den Preisen vom Oktober 2026. Wer zuerst den großen Zusammenhang sucht, liest den Leitfaden mit allem Wichtigen über Reifen.

Reifenberater in drei Schritten

Größe eintragen, Alltag beschreiben, Anspruch wählen. Der Berater nennt Saison, Segment, Preisspanne und passende Modelle.

1 Größe

2 Alltag

3 Anspruch

…

    Preisspannen: Marktpreise je Reifen, Oktober 2026, ohne Montage. Die Modelle sind Beispiele aus unserer Übersicht, keine Rangliste.

    Schritt 1: Die Größe steht im Fahrzeugschein

    Die zugelassene Reifengröße steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I, dem Fahrzeugschein, in Feld 15.1 für die Vorderachse und in Feld 15.2 für die Hinterachse. Bei einem VW Golf VIII mit 16-Zoll-Rädern lautet der Eintrag zum Beispiel 205/55 R16 91V. Dieselbe Folge steht auf der Flanke des montierten Reifens. Sind Vorder- und Hinterreifen verschieden breit, wie bei vielen Sportmodellen und einigen Limousinen, weichen die Felder 15.1 und 15.2 voneinander ab, und Sie brauchen zwei Größen.

    Jede Angabe hat eine feste Aufgabe, und sie lässt sich ohne Fachwissen lesen:

    TeilBeispielBedeutung
    Breite205Reifenbreite in Millimetern
    Querschnitt55Flankenhöhe in Prozent der Breite, hier 112,75 mm
    BauartRRadialreifen, heute der Normalfall
    Felge16Felgendurchmesser in Zoll
    Lastindex91höchste Last je Reifen: 615 kg
    GeschwindigkeitsindexVzugelassen bis 240 km/h

    Mehr Spielraum, als der Schein vermuten lässt, bietet das CoC-Papier, die Übereinstimmungsbescheinigung des Herstellers. Es nennt alle Größen, die für Ihr Modell freigegeben sind, oft auch breitere Reifen auf größeren Felgen. Eine Größe aus Schein oder CoC dürfen Sie ohne weiteres montieren. Alles andere muss ein Prüfer eintragen, bevor Sie damit fahren. Dazu gehört auch der Felgenwechsel: Die neue Felgenbreite muss zur Reifenbreite passen, die zulässigen Bereiche zeigt die Seite zu Felge und Reifen.

    Beim Lastindex gilt: nie darunter. Vier Reifen mit Index 91 tragen zusammen 2 460 kg, für einen Kompaktwagen reicht das mit Reserve. Wer ein Wohnmobil, einen Transporter oder ein Gespann fährt, rechnet die Achslast nach, wie es die Seite zu Lastindex und Tragfähigkeit zeigt. Beim Geschwindigkeitsindex gibt es eine Ausnahme: Winterreifen dürfen einen niedrigeren Buchstaben tragen, mindestens aber Q für 160 km/h, wenn ein Aufkleber im Blickfeld des Fahrers die Höchstgeschwindigkeit nennt.

    Bevor Sie bestellen, drei Fotos mit dem Handy:

    • Fahrzeugschein, Felder 15.1 und 15.2
    • Flanke eines Vorderreifens mit Größe und DOT-Nummer
    • Aufkleber im Tankdeckel oder in der Türzarge mit den Luftdruckwerten

    Was XL, M+S, 3PMSF oder „Reinforced“ auf der Flanke bedeuten, steht unter Reifengröße lesen.

    Schritt 2: Die Saison richtet sich nach Ihrem Alltag

    Zwei Reifensätze lohnen sich ab etwa 10 000 Kilometern im Jahr oder bei regelmäßigen Fahrten in Höhenlagen. Darunter reicht ein Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol. Ein Sommerreifen als einziger Satz ist in Deutschland ein Risiko: Bei Schnee, Eis und Reifglätte dürfen nach § 2 Abs. 3a StVO nur Reifen mit Alpine-Symbol fahren, unabhängig vom Monat.

    Die alte Faustregel „von Oktober bis Ostern“ bleibt als Orientierung brauchbar, ein Gesetz ist sie nicht. Unter 7 °C beginnt die Sommermischung zu verhärten, deshalb wechseln viele Werkstätten schon im Oktober. Seit dem 1. Oktober 2024 gilt außerdem: Reifen, die nur „M+S“ tragen, zählen bei Schnee nicht mehr als Winterreifen. Wer 2026 bei Schneematsch ohne Alpine-Symbol erwischt wird, zahlt 60 Euro und bekommt einen Punkt, bei Behinderung anderer 80 Euro.

    Wie sich der Alltag auf die Wahl auswirkt, zeigt diese Zuordnung:

    Ihr AlltagSinnvollGrund
    Stadt und Umland, unter 10 000 km im JahrGanzjahresreifen mit Alpine-SymbolWenig Kilometer, selten Schnee, ein Satz spart Wechsel und Lagerplatz
    Pendler, 15 000 km und mehr, viel AutobahnSommer- und WinterreifenGanzjahresreifen verschleißen bei Wärme und Tempo meist schneller
    Alb, Schwarzwald, AllgäuWinterreifen im WinterBeim Anfahren und Bremsen auf Schnee liegt der Winterreifen vorn
    Zweitwagen, selten bewegtGanzjahresreifenAlterung begrenzt die Lebensdauer, nicht der Verschleiß

    Meine Meinung dazu ist eindeutig: Einen reinen Sommerreifen als einzigen Satz würde ich in Süddeutschland niemandem mehr empfehlen. Der erste Reifglätte-Morgen im November kommt bestimmt. Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) meldet für das Jahr 2024 einen Marktanteil von 36 Prozent für Ganzjahresreifen, 38 Prozent für Winterreifen und 26 Prozent für Sommerreifen. Der Sommerreifen hält also nur noch gut ein Viertel des Marktes.

    Wie viel Profil ein Winterreifen braucht und was bei einem Verstoß droht, steht auf der Seite zu Winterreifen. Die Eigenheiten der Allwetterlösung erklärt die Seite zu Ganzjahresreifen. Alle Saisonfragen, vom Wechseltermin bis zur Einlagerung, sammelt die Seite Reifen nach Jahreszeit.

    Schritt 3: Das Segment bestimmt Preis und Nassgriff

    Reifen werden in drei Segmente eingeteilt: Budget, Qualität und Premium. In 205/55 R16 kostet ein Sommerreifen 2026 im Budgetsegment 50 bis 70 Euro, in der Qualitätsklasse 80 bis 105 Euro und im Premiumsegment 110 bis 145 Euro. Der größte Unterschied zeigt sich beim Bremsen auf nasser Straße.

    SegmentJe ReifenVier ReifenTypische MarkenPasst zu
    Budget50–70 €200–280 €Linglong, Sailun, LandsailZweitwagen, Stadt, wenig Kilometer
    Qualität80–105 €320–420 €Hankook, Kleber, Firestone, VredesteinKompaktwagen im Alltag, Pendler
    Premium110–145 €440–580 €Michelin, Continental, Goodyear, Bridgestone, PirelliVielfahrer, Autobahn, schwere Fahrzeuge

    Auf trockener Straße haftet fast jeder Reifen gut. Auf nasser Straße muss das Profil Wasser verdrängen, und die Mischung muss bei 8 °C noch greifen. Dort trennen sich die Segmente. Vergleichstests der Automobilclubs zeigen seit Jahren, dass zwischen dem besten und dem schwächsten Reifen derselben Größe bei Nässe mehrere Fahrzeuglängen Bremsweg liegen können. Die Klasse der Nasshaftung steht auf dem EU-Reifenlabel, von A bis E, und Sie lesen sie im Laden ab, bevor Sie zahlen. Daneben nennt das Label den Rollwiderstand und das Abrollgeräusch in Dezibel. Ich gewichte die Nasshaftung höher: Ein paar Hundertstel Liter Verbrauch lassen sich verschmerzen, ein Meter Bremsweg nicht.

    Rechnen wir einmal mit Annahmen statt mit Messwerten: Der Budgetsatz für 240 Euro hält 30 000 Kilometer, der Premiumsatz für 500 Euro hält 45 000 Kilometer. Das ergibt 8,00 Euro je 1 000 Kilometer gegen 11,11 Euro. Premium ist also nicht billiger pro Kilometer. Es kauft Bremsweg.

    Wer rechnen muss, nimmt die Mitte. Ein Reifen aus dem Qualitätssegment mit Nasshaftung A oder B ist für die meisten Fahrer die vernünftigste Wahl. Am Nassgrip sparen Sie nur einmal.
    Annika Berger, Kfz-Sachverständige

    Welche Modelle in welches Segment fallen, zeigt die Übersicht der Reifenmodelle. Die Preise nach Größe, Saison und Nebenkosten stehen unter Reifenpreise.

    Ein Beispiel von der Größe bis zur Rechnung

    Ein Pendler aus Filderstadt fährt einen Golf VIII, 14 000 Kilometer im Jahr, parkt in der Garage und fährt im Winter gelegentlich zum Skifahren. Es ist Oktober 2026.

    1. Größe: 205/55 R16 91V laut Feld 15.1. Der Lastindex muss mindestens 91 betragen. Beim Winterreifen sind H (210 km/h) oder V sinnvoll.
    2. Saison: 14 000 Kilometer, Pendelverkehr über die Filder, dazu Skifahrten. Zwei Sätze.
    3. Segment: Winterreifen im Qualitätssegment mit Alpine-Symbol, Nasshaftung A oder B.

    Das kostet im Oktober 340 bis 440 Euro für vier Winterreifen und 60 bis 120 Euro für Aufziehen und Wuchten. Zusammen sind das 400 bis 560 Euro. Die Sommerreifen kommen in den Keller und fahren im Frühjahr wieder. Bis dahin sollten sie keine sechs Jahre alt sein, sonst steht der nächste Kauf früher an als geplant.

    Fehler, die beim Reifenkauf teuer werden

    Den ersten Fehler kennen Sie aus dem Einstieg: die Größe vom Altreifen abzulesen. Der zweite betrifft das Alter. Ein unbenutzter Reifen wird als Neuware verkauft, auch wenn er fünf Jahre im Lager lag. Prüfen Sie die DOT-Nummer, bevor die Montage beginnt. Ein Satz mit der Kennung 3524 stammt aus der 35. Woche 2024, ein Satz mit 1521 aus der 15. Woche 2021.

    Dritter Fehler: nur zwei Reifen kaufen und die neuen nach vorn stecken. Die neuen gehören an die Hinterachse, weil sie das Heck stabil halten, wenn es nass wird. Warum das so ist, steht im Beitrag zu Reifenmontage und Auswuchten.

    Vierter Fehler: Winterreifen von 2016 mit „M+S“ ohne Alpine-Symbol weiterfahren. Wer sich Größe, DOT und Profil einmal notiert, hat beim nächsten Kauf alles auf einem Blatt, der Reifenpass druckt es Ihnen aus.

    Häufige Fragen

    Welche Reifen passen auf mein Auto?

    Die Reifen, deren Größe im Fahrzeugschein (Felder 15.1 und 15.2) oder im CoC-Papier steht. Lastindex und Geschwindigkeitsindex dürfen nicht niedriger sein als dort angegeben. Bei Winterreifen ist ein niedrigerer Geschwindigkeitsindex mit Aufkleber im Blickfeld erlaubt, mindestens Q.

    Darf ich eine andere Reifengröße fahren, als im Fahrzeugschein steht?

    Ja, wenn sie im CoC-Papier steht oder ein Prüfer sie eingetragen hat. Ohne Freigabe erlischt die Betriebserlaubnis, und im Schadenfall kann die Versicherung Fragen stellen. Klären Sie das vor dem Kauf bei einer Prüfstelle, nicht danach.

    Muss ich alle vier Reifen gleichzeitig wechseln?

    Nein, achsweise genügt. Links und rechts müssen Modell, Größe und ähnliche Profiltiefe zusammenpassen. Die neuen Reifen kommen an die Hinterachse.

    Wie finde ich die Reifengröße ohne Fahrzeugschein?

    Auf der Flanke eines montierten Reifens, direkt hinter dem Markennamen: Breite, Querschnitt, Bauart, Felge, Lastindex, Geschwindigkeitsindex. Bei Zweifeln zählt die Betriebsanleitung, dort stehen die freigegebenen Größen. Eine Werkstatt oder ein Händler Ihrer Marke kann sie zusätzlich über die Fahrgestellnummer nachschlagen.

    Reicht ein Ganzjahresreifen in Deutschland?

    Ja, wenn er das Alpine-Symbol trägt. Er ist ein guter Kompromiss bei wenig Kilometern und mildem Klima. Bei häufigem Schnee oder in Höhenlagen ist ein echter Winterreifen im Vorteil.