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Lastindex und Tragfähigkeit: Welcher Reifen trägt Ihr Auto?

Der Lastindex sagt, wie viel Kilogramm ein Reifen tragen darf. Aus der Achslast im Fahrzeugschein ermitteln Sie den kleinsten zulässigen Wert, für Pkw ebenso wie für Wohnmobil und Anhänger.

Annika Berger, Dipl.-Ing., Kfz-Sachverständige. Stand 29.10.2026.

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Lastindex nach Achslast: Achslast eingeben, kleinsten zulässigen Lastindex ablesen.

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Im August 2025 platzte auf der A8 bei Merklingen der hintere linke Reifen eines Reisemobils. Außentemperatur 38 Grad, Fahrzeug 4,0 Tonnen, der erste Urlaubstag. Wenige Wochen später lag der Reifen auf meinem Tisch, und die Zahlen erzählten die Geschichte.

Montiert war ein 225/75 R16 C mit Lastindex 116, das sind 1 250 kg Tragfähigkeit. Auf der Fahrzeugwaage in Kirchheim unter Teck hatte die Hinterachse zuvor 2 380 kg angezeigt, also 1 190 kg je Rad. Das sind 95 Prozent der Tragfähigkeit. Reserve: fast keine.

Dazu kam der Druck. Eingestellt waren 3,8 bar, der Hersteller verlangte für diese Last 4,5 bar. Hitze, Last am Limit und Unterdruck zusammen reichten aus: Die Karkasse ermüdete an der Flanke, riss, und der Reifen zerlegte sich bei 95 km/h. Es war kein Billigprodukt, nur für diese Achse zu knapp dimensioniert, und niemand hatte nachgerechnet. Nachrechnen dauert fünf Minuten. Wie, steht auf dieser Seite, samt Rechner.

Was der Lastindex sagt und was nicht

Der Lastindex ist eine Kennzahl zwischen etwa 70 und 120, hinter der eine feste Tragfähigkeit in Kilogramm je Reifen steht. 91 bedeutet 615 kg, 116 bedeutet 1 250 kg. Er steht direkt hinter der Reifengröße und gilt bei dem Fülldruck, den der Hersteller für diese Last vorsieht. Was ein Reifen insgesamt leisten muss, ordnet die Hauptseite ein, hier geht es nur um die Tragfähigkeit.

Zwei Dinge sagt er nicht. Er nennt keine Reserve, denn die Tragfähigkeit ist die Obergrenze und nicht der Normalbetrieb. Und er gilt nicht bei beliebigem Druck: Weniger Luft heißt weniger Tragfähigkeit. Die vollständige Zuordnung von 70 bis 110 steht bei Reifengröße lesen. Darüber geht es mit 111 bei 1 090 kg weiter bis zum Index 120 bei 1 400 kg.

Von der Achslast zum Lastindex: die Rechnung

Die Rechnung hat vier Schritte. Ausgangspunkt ist nicht das Gesamtgewicht, sondern die Last auf der Achse, denn jede Achse hat eigene Reifen mit eigenem Lastindex, und die Hinterachse ist bei vielen Fahrzeugen die engere.

  1. Achslast ablesen: Im Fahrzeugschein steht die zulässige Achslast in Feld 8.1 (Achse 1) und 8.2 (Achse 2). Die Felder 7.1 und 7.2 nennen den technisch zulässigen Wert. Weichen beide ab, rechnen Sie mit dem größeren.
  2. Auf die Reifen verteilen: Bei zwei Reifen an der Achse teilen Sie durch 2. Bei Zwillingsbereifung oder einer Tandemachse am Anhänger teilen Sie die Last der Achsgruppe durch 4.
  3. Reserve aufschlagen: Ich empfehle bei Reisemobilen und Anhängern 10 Prozent. Bei Pkw bringt der Hersteller die Reserve meist schon mit.
  4. Tabelle nachschlagen: Wählen Sie den kleinsten Lastindex, dessen Tragfähigkeit den errechneten Wert erreicht oder übertrifft.

Warum gerade 10 Prozent? Die Tragfähigkeit im Katalog gilt für einen neuen Reifen bei Nenndruck und moderater Temperatur. Im Alltag kommen Druckverlust, Hitze, Alter und Standzeit dazu, und jede dieser Größen frisst ein Stück Reserve. Die Tabelle der Lastindizes hilft beim Einordnen: Jeder Schritt bringt rund 2,5 bis 3,5 Prozent mehr Tragfähigkeit, zehn Prozent Reserve entsprechen also drei bis vier Stufen, etwa von 91 auf 94 oder 95. Eine feste Vorschrift ist das nicht, es ist meine Empfehlung aus der Praxis.

Fünf Beispiele, alle mit 10 Prozent Reserve:

FallAchslastje Reifenplus 10 %kleinster Lastindex
Kompaktwagen, Vorderachse1 080 kg540 kg594 kg90 (600 kg)
Kompaktwagen, Hinterachse1 020 kg510 kg561 kg89 (580 kg)
Wohnwagen, Einachser1 300 kg650 kg715 kg97 (730 kg)
Wohnwagen, Tandemachse2 000 kg (4 Reifen)500 kg550 kg88 (560 kg)
Reisemobil, Hinterachse2 400 kg1 200 kg1 320 kg118 (1 320 kg)

Beim Kompaktwagen liegt der Hersteller mit seinen 91er Reifen weiter oben, als die Rechnung verlangt. Das ist bei Pkw normal und gut so. Der Spielraum schmilzt dort, wo das Fahrzeug im Alltag an die zulässige Achslast herankommt, und beim Reisemobil ist das die Regel. Der Rechner darunter nimmt Ihnen die Rechenschritte ab: Achslast eingeben, kleinsten zulässigen Lastindex ablesen.

Lastindex nach Achslast

Die zulässige Achslast steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I unter 8.1 (vorn) und 8.2 (hinten). Geteilt durch die Zahl der Reifen an der Achse ergibt sie die Last je Reifen, und daraus folgt der kleinste zulässige Lastindex.

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Bei Zwillingsbereifung dürfen Reifen nur 88 Prozent ihrer Einzeltragfähigkeit tragen; das ist eingerechnet. Für Wohnmobile und Anhänger gilt die Tragfähigkeit nur bei vollem Luftdruck laut Reifenhersteller.

Typische Rechenfehler

Aus den Gutachten kenne ich vier Stellen, an denen die Rechnung kippt, und keine davon setzt Mathematik voraus.

  • Gesamtgewicht statt Achslast: 3 500 kg durch vier Reifen ergibt 875 kg. Die Hinterachse trägt aber oft 2 000 kg, also 1 000 kg je Reifen.
  • Zwillinge verwechselt: Die zweite Zahl hinter dem Schrägstrich gilt nur bei Zwillingsbereifung, nicht bei Einzelreifen.
  • Schein statt Waage: Die Achslast im Schein ist die Grenze, die Waage zeigt, wo Sie wirklich stehen. Beides gehört nebeneinander.
  • Neue Felgen, anderer Index: Beim Wechsel von 16 auf 18 Zoll ändern sich Lastindex und oft die Pflicht zu XL-Versionen.

Bei Pkw braucht es die Rechnung selten, weil die Hersteller großzügig auslegen. Schwere SUV und Elektroautos sind die Ausnahme: Die Batterie sitzt zwischen den Achsen, das Fahrzeug wiegt deutlich mehr als ein vergleichbarer Verbrenner, und die Reifen übertragen dazu ein hohes Drehmoment. Wer dort eine andere Größe wählt, vergleicht den Lastindex im Schein und im Angebot, bevor er bestellt.

Wohnmobil, Anhänger, Transporter: wo die Reserven schmelzen

Je schwerer das Fahrzeug und je voller die Heckgarage, desto enger wird es. Reisemobil, Anhänger und Transporter haben jeweils eigene Fallen, aber alle hängen am gleichen Prinzip: Die Reifen müssen die tatsächliche Last tragen, nicht die Last, die im Prospekt steht.

Reisemobil

Die Hinterachse eines Reisemobils ist fast immer am Limit. Fahrräder auf dem Heckträger, Wasser im Tank, die Heckgarage mit Grill und Stühlen: Das meiste davon liegt hinter der Achse. Wer das Fahrzeug einmal auf einer Fahrzeugwaage prüft, kennt seine echte Achslast, statt sie zu schätzen. Das geht in zwei Wiegungen: erst mit allen Achsen auf der Waage, dann mit nur der Vorderachse. Die Hinterachse ergibt sich aus der Differenz. Wiegen Sie beladen, so wie Sie in den Urlaub fahren, mit vollem Wassertank und Fahrrädern.

Dann folgt die Wahl des Reifens. C-Reifen (Commercial) haben einen verstärkten Aufbau, CP-Reifen sind Campingreifen mit zusätzlich verstärkter Seitenwand. Eine Pflicht zu CP gibt es nicht. Es zählt der Lastindex, wie die Reifenhersteller selbst betonen.

Beim ersten Wiegen schauen die meisten Kunden auf die Anzeige und dann auf mich. Hinten ist fast immer mehr drauf, als sie dachten. Und dann kaufen sie den Reifen nach der Größe im Schein, nicht nach der Last auf der Waage.
Dieter Haas, Meister in einer Reisemobil-Werkstatt bei Ulm

Winterreifen gehören auch am Reisemobil dazu, wenn Sie im Winter fahren. Welche Kennzeichnung gilt, steht bei den Winterreifen.

Anhänger

Bei Wohnwagen und Anhängern kommt das Alter hinzu. Die Zulassung für Tempo 100 am Gespann setzt nach der 9. Ausnahmeverordnung zur StVO Reifen voraus, die jünger als sechs Jahre sind und mindestens die Geschwindigkeitskategorie L (120 km/h) tragen. Anhängerreifen stehen oft monatelang, bekommen Standschäden und altern schneller, als der Kilometerstand vermuten lässt. Was eine DOT-Nummer verrät und wie alt ein Reifen sein darf, steht unter Reifenalter.

Bei Tandemachsen gilt die Last der Achsgruppe, nicht der einzelnen Achse. Teilen Sie sie durch vier, wie in der Tabelle oben.

Transporter

Transporter fahren fast immer auf C-Reifen. Sie tragen zwei Lastindizes, etwa 109/107, den ersten für Einzel-, den zweiten für Zwillingsbereifung. C-Reifen laufen mit deutlich höherem Druck als Pkw-Reifen, 4 bis 5 bar sind nicht ungewöhnlich, und sie sind in der Regel steifer. Wer einen Kastenwagen als Camper ausbaut, hat plötzlich mehrere hundert Kilogramm mehr auf der Hinterachse, als der Prospekt des Kastenwagens kannte: Bett, Küche, Wassertank, Zusatzbatterie. Die Zuladung in den Papieren ist dann längst verbraucht, und die Reifen für den leeren Lieferwagen passen nicht mehr. Gerade bei Ausbauten an der 3,5-Tonnen-Grenze lohnt der Vergleich von gewogener Achslast und Lastindex doppelt.

Luftdruck bei voller Last

Der Lastindex gilt nur mit dem passenden Druck. Der Hersteller weist deshalb für Volllast einen höheren Druck aus als für Teilbeladung. Bei Pkw sind es oft 0,2 bis 0,5 bar mehr, bei Reisemobilen auf C-Reifen entsprechend mehr. Wie Sie den Druck kalt messen und wie er sich mit der Temperatur ändert, steht auf der Seite zum Reifendruck.

Aus meinen Gutachten zu Reisemobilschäden kann ich eine Gewichtung wagen: Zu wenig Druck ist häufiger der Auslöser als ein zu kleiner Lastindex. Das liegt auch daran, dass die Last die Aufstandsfläche vergrößert und der Reifen bei zu wenig Luft stärker walkt. Dazu Hitze, und der Reifen versagt dort, wo die Karkasse am dünnsten ist, in der Flanke. Der Besitzer des Reisemobils von der A8 hat danach auf Lastindex 118 umgerüstet und fährt hinten 4,7 bar. Bei erneuter Wiegung zeigte die Hinterachse 2 340 kg, 1 170 kg je Rad, und die Reserve lag bei gut 12 Prozent. Dasselbe Fahrzeug, derselbe Urlaub, nur eine andere Zeile auf der Flanke.

Häufige Fragen

Darf ich Reifen mit höherem Lastindex fahren, als im Fahrzeugschein steht?

Ja. Ein höherer Lastindex ist zulässig, ein niedrigerer nur nach Abstimmung mit dem Reifenhersteller und einer Prüfstelle. Beachten Sie, dass sich mit dem Aufbau auch Gewicht, Komfort und Preis ändern können. Dasselbe gilt für den Geschwindigkeitsindex.

Wo finde ich die Achslast im Fahrzeugschein?

In den Feldern 8.1 und 8.2 der Zulassungsbescheinigung Teil I, getrennt nach Achse 1 und Achse 2. Die technisch zulässigen Werte stehen in 7.1 und 7.2. Bei Anhängern können die Felder auch die Last einer Achsgruppe nennen.

Was bedeutet 116/114 auf einem Transporterreifen?

Der erste Wert gilt für Einzel-, der zweite für Zwillingsbereifung. 116 entspricht 1 250 kg, 114 entspricht 1 180 kg. Ohne Zwillinge an der Achse zählt die erste Zahl.

Muss ich für das Wohnmobil CP-Reifen kaufen?

Nein, dazu gibt es keine gesetzliche Pflicht. CP kennzeichnet Campingreifen mit verstärkter Seitenwand, die für hohe Lasten optimiert sind. Maßgeblich sind der Lastindex, den Sie nach Achslast und Reserve berechnen, und der Fülldruck, den der Reifenhersteller für diese Last nennt.

Was passiert, wenn der Lastindex zu niedrig ist?

Technisch überlasten Sie den Reifen: Er walkt stärker, wird heißer und kann in der Flanke versagen, vor allem bei Hitze und zu wenig Druck. Rechtlich verlangt § 36 StVZO, dass die Reifen zu Tragfähigkeit und Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs passen. Ein nicht passender Lastindex kann bei der Hauptuntersuchung als Mangel gewertet werden.